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Von der Traube zur Flasche - So entsteht Pfälzer Roséwein

Die Farbe von Roséwein fasziniert: Von zartem Rosa über Lachsfarben bis hin zu kräftigem Pink. Doch wie entsteht eigentlich diese besondere Farbe? Und was macht die Herstellung von Pfälzer Rosé so besonders? Wir nehmen Sie mit auf eine Reise durch den Weinberg und in den Keller der Pfälzer Winzer.

Der Ursprung: Rote Trauben mit weißem Saft

Ein weit verbreiteter Irrtum: Rosé entsteht nicht durch das Mischen von Rot- und Weißwein (außer bei Schaumweinen). Die Wahrheit ist viel spannender. Fast alle roten Trauben haben helles Fruchtfleisch - die Farbstoffe befinden sich ausschließlich in der Schale. Diese Tatsache ist der Schlüssel zur Rosé-Herstellung.

In der Pfalz werden für hochwertige Roséweine bevorzugt Spätburgunder, Portugieser, Dornfelder und manchmal auch St. Laurent verwendet. Die Wahl der Rebsorte beeinflusst nicht nur die Farbe, sondern auch das Aromaprofil des späteren Weins entscheidend.

Drei Wege zum perfekten Rosé

Pfälzer Winzer nutzen hauptsächlich drei Methoden zur Rosé-Herstellung, jede mit ihren eigenen Charakteristika:

1. Die Mazerationsmethode (Kurze Maischestandzeit)

Dies ist die häufigste und qualitativ hochwertigste Methode für Pfälzer Rosé:

  • Die roten Trauben werden zunächst wie bei der Rotweinherstellung angequetscht
  • Der Most bleibt für kurze Zeit (6-48 Stunden) in Kontakt mit den Schalen
  • In dieser Zeit lösen sich Farbstoffe, Aromen und etwas Tannin aus den Schalen
  • Sobald die gewünschte Farbe und Aromaintensität erreicht ist, wird der Most abgepresst
  • Die weitere Gärung erfolgt wie bei Weißwein

Diese Methode ermöglicht es dem Winzer, Farbe und Aromintensität präzise zu steuern. Je länger der Schalenkontakt, desto intensiver die Farbe und der Geschmack.

2. Die Saignée-Methode (Abbluten)

Eine traditionelle französische Technik, die auch in der Pfalz Anwendung findet:

  • Ursprünglich gedacht zur Konzentration von Rotweinen
  • Nach dem Anquetschen der Trauben wird ein Teil des Mosts "abgeblutet" (frz. saigner)
  • Dieser hellere Most wird als Rosé ausgebaut
  • Der verbleibende Most hat ein besseres Verhältnis von Schale zu Saft und ergibt konzentriertere Rotweine

Saignée-Rosés sind oft etwas kräftiger in Farbe und Struktur, da sie von Trauben stammen, die ursprünglich für Rotwein vorgesehen waren.

3. Die Direktpressung (Weißherbst-Methode)

Die schonendste Methode, besonders für elegante, helle Rosés:

  • Die roten Trauben werden sofort nach der Lese gepresst
  • Während des Pressvorgangs lösen sich durch den Druck leichte Farbstoffe aus den Schalen
  • Es gibt praktisch keinen Maischekontakt
  • Das Ergebnis: sehr helle, zarte Roséweine mit feiner Frucht

Nach deutschem Weinrecht darf ein "Weißherbst" nur aus einer einzigen roten Rebsorte und nur durch Direktpressung hergestellt werden - eine Spezialität, die in der Pfalz Tradition hat.

Die Lese: Timing ist alles

Der richtige Lesezeitpunkt ist entscheidend für die Qualität des Pfälzer Rosés. Im Gegensatz zu Rotweinen, die oft bei höheren Öchslegraden gelesen werden, erfolgt die Ernte für Rosé meist etwas früher:

Frühere Lese bedeutet:

  • Niedrigerer Alkoholgehalt (ideal für leichte, erfrischende Weine)
  • Höhere Säure (sorgt für Frische und Lebendigkeit)
  • Zartere Aromen (Betonung auf Frucht statt Würze)
  • Hellere Farbe (weniger Anthocyane in noch nicht vollreifen Schalen)

Viele Pfälzer Winzer lesen ihre Rosé-Trauben von Hand, um nur perfekt gesunde Beeren zu selektieren. Diese Sorgfalt spiegelt sich in der Qualität des Endprodukts wider.

Im Keller: Kühle Gärung für frische Aromen

Nach der Pressung beginnt die alkoholische Gärung. Für Rosé ist eine kühle, kontrollierte Gärung essentiell:

Temperaturkontrolle (15-18°C): Niedrige Gärtemperaturen bewahren die frischen, fruchtigen Aromen und verhindern die Bildung unerwünschter Gärungsnebenprodukte.

Hefewahl: Pfälzer Winzer setzen meist spezielle Aromahefen ein, die die fruchtigen Noten betonen und für eine saubere Gärung sorgen. Manche experimentieren auch mit spontaner Gärung für mehr Komplexität.

Gärgefäße: Meist kommen Edelstahltanks zum Einsatz, die eine präzise Temperaturkontrolle ermöglichen. Einige innovative Winzer experimentieren mit Ausbau in Beton-Eiern oder sogar gebrauchten Barriques für zusätzliche Textur.

Ausbau und Reifung: Frisch oder komplex?

Nach der Gärung entscheidet sich, welchen Stil der Rosé haben soll:

Junger, frischer Stil

Die meisten Pfälzer Rosés werden für sofortigen Genuss produziert:

  • Kurze Lagerung im Tank (2-4 Monate)
  • Frühe Abfüllung im Winter/Frühjahr nach der Lese
  • Betonung auf Primärfrucht und Frische
  • Keine malolaktische Gärung (erhält knackige Säure)

Komplexer, lagerfähiger Stil

Einige ambitionierte Winzer schaffen Rosés mit Lagerpotenzial:

  • Längerer Hefelager-Kontakt (sur lie)
  • Manchmal malolaktische Gärung für cremigere Textur
  • Ausbau in großen Holzfässern oder Amphoren
  • Spätere Abfüllung für mehr Entwicklung

Besonderheiten der Pfälzer Rosé-Herstellung

Was zeichnet die Rosé-Produktion in der Pfalz besonders aus?

Nachhaltigkeit: Viele Pfälzer Weingüter arbeiten nachhaltig oder biologisch. Dies bedeutet gesunde Trauben ohne Pestizidrückstände und lebendige Böden.

Handarbeit: Gerade bei Premium-Rosés wird in der Pfalz großer Wert auf manuelle Selektion und schonende Verarbeitung gelegt.

Innovation: Die neue Winzergeneration experimentiert mit orangen Rosés (längerer Schalenkontakt), Naturweinen und alternativen Ausbaumethoden.

Terroir-Ausdruck: Anders als in manchen Rosé-Regionen, wo ein einheitlicher Stil dominiert, legen Pfälzer Winzer Wert darauf, dass ihre Rosés das Terroir widerspiegeln - von mineralisch (Kalkstein) bis fruchtbetont (Sandböden).

Von der Flasche ins Glas: Der letzte Schritt

Nach der Abfüllung sollte Pfälzer Rosé idealerweise kühl (10-12°C) gelagert werden. Die meisten Rosés sind für den Konsum innerhalb von 1-2 Jahren nach der Ernte konzipiert, wobei hochwertige Exemplare durchaus 3-5 Jahre reifen können.

Das Besondere: Durch das kühle Klima im Herbst und die sorgfältige Kellerarbeit entwickeln Pfälzer Rosés oft eine bemerkenswerte Frische und Eleganz, die sie von südlicheren Rosé-Regionen unterscheidet.

Fazit: Handwerk trifft Terroir

Die Herstellung von Pfälzer Rosé ist weit mehr als das simple "Abpressen" roter Trauben. Es ist ein Zusammenspiel von perfektem Timing, önologischem Know-how und dem besonderen Terroir der Pfalz. Jeder Winzer hat seinen eigenen Stil, seine eigene Philosophie - und genau das macht die Vielfalt der Pfälzer Rosés so spannend.

Im nächsten Beitrag zeigen wir Ihnen, wie Sie Pfälzer Rosé optimal genießen und welche Speisen perfekt zu den verschiedenen Stilen passen.

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